Complesso di San Francesco

Die ehemalige Kirche San Francesco zählt zusammen mit Santa Maria di Castello und Santa Maria del Carmine zu den bedeutendsten Zeugnissen der Sakralarchitektur des Mittelalters in Alessandria. Sie bildet den ältesten und wertvollsten Kern eines Klosterkomplexes, der einen ganzen Häuserblock in der Altstadt einnimmt. Ursprünglich war dies eines der bedeutendsten Franziskanerzentren Norditaliens. Einer lokalen Überlieferung zufolge soll Franziskus im zweiten Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts durch die Stadt gezogen sein und einige Wunder vollbracht haben. Zeugnisse hierfür sind ein Flachrelief auf der Piazza del Duomo, das eine gezähmte Wölfin zeigt, sowie eine Erzählung eines seiner ersten Biografen, Tommaso da Celano, von einem „Stück Kapaun, das in Fische verwandelt wurde“. Heute erscheint diese Präsenz den Historikern zwar unwahrscheinlich, doch die Überlieferungen sind ein eindeutiger Beweis für die Existenz einer sehr alten und tief verwurzelten franziskanischen Verehrung. Der Bau der Kirche erfolgte belegtermaßen ab dem Jahr 12680, dem Datum der päpstlichen Bulle von Papst Clemens IV., in der die Gläubigen aufgefordert werden, sich mit Spenden an dem Vorhaben zu beteiligen; Kurz darauf wurden den Minoriten 100 Tage Ablass gewährt, um mit dem Bau zu beginnen, während Papst Nikolaus IV. im Dezember 1290 den Ablass für diejenigen verkündete, die den Ort zum Gebet besuchen würden. Auch der Bau des Klosters begann, während die Kirche 1314 geweiht wurde. Es ist kein Zufall, dass auch die Anjou, Grafen der Provence und zukünftige Könige von Sizilien, die die Stadt für kurze Zeit regierten, den Bau unterstützten: insbesondere im Jahr 1310 Robert II. und seine Frau Sancia von Mallorca, die dem Heiligen von Assisi ergeben waren und nach ihrem Engagement in Alessandria die Kirche und das Kloster Santa Chiara in Neapel gründeten. Das weitere Schicksal der Kirche in Alessandria war nicht von Glück geprägt. Die ursprünglichen architektonischen Merkmale und die künstlerischen Zeugnisse jener Zeit sind heute wieder erkennbar und beeindrucken, obwohl der Komplex im 19. Jahrhundert einem tiefgreifenden Umbau unterzogen wurde: Zunächst diente er in den Jahren der napoleonischen Feldzüge als Militärkaserne, wobei die Kirche durch die Errichtung eines Zwischengeschosses, das auf breiten Gewölben ruht, in zwei Ebenen unterteilt wurde. Dann wurde er 1833 auf Wunsch von Karl Albert von Savoyen in ein militärisches Divisionskrankenhaus umgewandelt und ein großer Innenhof angelegt. All diese Eingriffe haben die Gesamtstruktur der Kirche tiefgreifend verändert und der Fassade ihre sakrale Ausstrahlung genommen. Doch damit nicht genug: Gleich zweimal – 1893/94 und 1952 – drohte der Abriss von Teilen der Kirche und des Klosters, um eine direkte Verbindungsstraße zwischen den Plätzen Garibaldi und della Libertà zu schaffen. Diese Gefahren konnten glücklicherweise abgewendet werden. Bereits 1919 hatte das Denkmalschutzamt des Piemont auf den archäologischen Wert des Gebäudes hingewiesen. Im November 1989 erwarb die Gemeinde Alessandria schließlich das Eigentum an der Immobilie von der Leitung des Militäringenieurkorps. Dies war Zeichen für einen Kurswechsel. Seit Ende der 1990er Jahre finden dort archäologische Ausgrabungen statt und es wurden erste Maßnahmen zur Konsolidierung der Gebäudestrukturen ergriffen. Zudem wurden die Freskenverzierungen des Gewölbesystems und der Kapelle am Sockel des Glockenturms freigelegt und restauriert. Die letzte grundlegende Baustelle wurde 2022 im Rahmen der territorialen Programmplanung POR FESR 2014–2020 Achse VI „Nachhaltige Stadtentwicklung – Integrierte Stadtentwicklungsstrategie mit dem Titel Alessandria im Zentrum“ von der Stadtverwaltung von Alessandria begonnen. Ziel der architektonischen Restaurierung ist es, dieses außergewöhnliche Kulturgut, das viele Jahre lang in Vergessenheit geraten war, wiederherzustellen und dabei seine ursprünglichen Merkmale so weit wie möglich zu bewahren und hervorzuheben. Geöffnet am Dienstag, dem 2. Juni, Führung um 16 Uhr.

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