Chiesa di Santo Stefano

Die Kirche Santo Stefano (ursprünglich SS. Stefano e Martino) ist eng mit der Geschichte des Ordens der Dienerinnen Mariens verbunden. 1728 mussten die Serviten ihr ursprüngliches Kloster Santo Stefano in Borgoglio verlassen, um die Zitadelle zu errichten. Der Bau einer neuen Kirche, die 1773 geweiht wurde, begann langsam. Im September 1802 wurde das Kloster aufgelöst: Es diente kurzzeitig als Militärkrankenhaus, dann als Armeelager, bevor es 1817 an die Serviten zurückgegeben wurde. Mitte des 19. Jahrhunderts ging die Pfarrei in die Hände des Weltklerus über. Wenige Jahre später wurde ihr Zuständigkeitsbereich auf das Viertel der Zitadelle ausgedehnt, um sich um die Seelen aller Bewohner der Festung zu kümmern. Die spätbarocke Backsteinfassade blieb unvollendet. Ihre Unvollständigkeit zeigt sich im Fehlen des abschließenden Tympanons. Im Zentrum der Fassade der alexandrinischen Kirche befindet sich ein breites Portal, dem eine Treppe vorgelagert ist und das von einem geschwungenen Tympanon bekrönt wird. Die beiden rechteckigen Nischen zwischen den Rundsäulen schließen ebenfalls mit einem ähnlichen Tympanon ab und waren für zwei Heiligenstatuen vorgesehen. Zwischen den Rundsäulen und den flachen Pilastern an den Seiten der Fassade befinden sich zwei rechteckige Fenster, die das Kircheninnere erhellen. Ein drittes Fenster mit barockem Einfluss aufgrund seines geschwungenen Profils befindet sich über dem Portal. Beim Betreten der Kirche beeindruckt die barocke Pracht des rechteckigen Tempels mit seinen vier Seitenkapellen. Die reich verzierten Gewölbe wurden 1898 geschaffen. In der ersten Kapelle rechts befindet sich ein großes Gemälde, das den heiligen Martin zu Pferd zeigt, wie er seinen Mantel abschneidet, um ihn einem halbnackten Armen zu schenken. Das Gemälde des alexandrinischen Malers Francesco Mensi aus dem Jahr 1852 versetzt uns in die typische Atmosphäre der italienischen Romantik, geprägt von subtilen Hell-Dunkel-Kontrasten, einer ruhigen, sich in die Ferne erstreckenden Landschaft und vor allem von samtigen, gedeckten Farben. Es vermittelt auf subtile Weise ein starkes religiöses Gefühl. Der barocke Prunk des Innenraums kontrastiert rechts vom Eingang mit einer Nische, die wie eine schlichte Kapelle ein abgelöstes und auf Leinwand übertragenes Fresko beherbergt. Es zeigt eine „Madonna mit segnendem Kind auf dem Thron“. Das Werk ist auch als „Madonna del Parto“ oder, im Volksmund, als „Selige Jungfrau von San Baudolino“ bekannt. Ein weiteres Werk, das wahrscheinlich in die Zeit um das Ende des 15. Jahrhunderts datiert werden kann, ist das große Holzkreuz links vom Eingang nahe dem Altar. Trotz der umfangreichen späteren Stuckarbeiten und Übermalungen, die den ursprünglichen Charakter zweifellos teilweise verändert haben, lassen sich bestimmte Stilmerkmale erkennen, die eindeutig dem späten 15. Jahrhundert zuzuordnen sind. Die formale Komposition, die anatomische Struktur und die Länge der Arme, Finger und Zehen erinnern an andere Holzskulpturen im Piemont. Am interessantesten ist zweifellos der realistische Ausdruck des schmerzverzerrten Gesichts, dessen offener Mund Schmerz und Leid zu schreien scheint.